Sommerferien

Wegen Maskenpflicht: Bodensee-Schifffahrt angeschlagen

Christoph Thurnherr, 11. Juli 2020, 12:13 Uhr
Blick auf den Hafen Romanshorn – die Bodensee-Schifffahrt würde gerne mehr Fahrgäste begrüssen.
© Thurgauer Zeitung/Andrea Stalder
Nächster Rückschlag für die gebeutelte Bodensee-Schifffahrt: Seit Montag gilt eine Maskenpflicht – pünktlich zum Beginn der Sommerferien. Die Folge sind Stornierungen und eine noch geringere Auslastung als zuvor.

Seit dieser Woche sind vielerorts Sommerferien. Die Bodensee-Region gilt dieses Jahr für den Tourismus als besonders attraktiv: Es wird erwartet, dass viele Schweizer den Urlaub im eigenen Land verbringen. Ein Ausflug an oder auf den grössten See der Schweiz scheint da naheliegend.

Bei der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt (SBS) merkt man davon bislang allerdings gar nichts. «Wenn in Romanshorn am Morgen elf Personen einsteigen, entspricht das natürlich so gar nicht unserer Vorstellung», sagt Geschäftsführerin Andrea Ruf gegenüber FM1Today.

Elf Personen klingt ohnehin nach wenig – aber umso mehr, wenn man sich der Dimensionen der Schiffe MS Thurgau oder MS Zürich bewusst wird: Auf ihnen hätten 500 Fahrgäste Platz.

«Maskenpflicht kommt zum schlechtesten Zeitpunkt»

Eine Auslastung von 2,2 Prozent, wie auf beschriebener Fahrt, ist auch finanziell ein Desaster. Und es ist nicht so, dass es bis jetzt gut gelaufen wäre: Die Schiffe durften erst anfangs Juni den Betrieb aufnehmen.

Besonders bitter: Die wegen des Schutzkonzepts verminderte Kapazität der Schiffe wurde in dieser Zeit gar nie erreicht. Und nun gilt seit dem 6. Juli an Bord auch noch eine Maskenpflicht, pünktlich zum Ferienstart.

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Quelle: Keystone-SDA

«Die Maskenpflicht kommt wirklich zum schlechtesten Zeitpunkt», sagt Andrea Ruf. Seit Anfang Juni habe die Auslastung der Schiffe stetig zugenommen, wenn auch auf tiefem Niveau. Nun gab es bereits mehrere Absagen und Stornierungen: «Die Leute haben keine Lust auf einen Bodensee-Ausflug mit Maske.»

Besatzung spielt nicht Polizei

Gerade in den Sommerferien müsste auf dem See eigentlich Hochbetrieb herrschen. Es müssten Rücklagen gebildet werden für den Winter, wenn die Schifffahrt auf ein Minimum reduziert ist, aber trotzdem hohe Kosten anfallen: darunter die Revision der Schiffe und die Löhne der Angestellten. Doch von Hochbetrieb fehlt jede Spur.

Ruf versteht die Bedenken der potenziellen Fahrgäste, entkräftet diese jedoch: «Während der Konsumation kann man die Maske selbstverständlich ablegen.» Die Besatzung sei auch nicht angewiesen, Polizei zu spielen.

Das Schutzkonzept hält die Geschäftsführerin nicht für optimal. Die Bodensee-Schifffahrt kämpfe nun mit der Hilfe der Verbände dafür, dass die Maskenpflicht wenigstens auf dem Freideck aufgehoben werde.

Die Zukunft sieht düster aus

Von einem katastrophalen Jahr für die Bodensee-Schifffahrt zu sprechen, ist nicht übertrieben. Die aktuelle Situation bringe das Unternehmen wirtschaftlich in sehr grosse Bedrängnis, sagt Andrea Ruf. Auch mehrere Charterfahrten für Geschäftsanlässe wurden bereits abgesagt.

Bis zu diesem Jahr sei die SBS AG ein gesundes Unternehmen gewesen. Es wurden Millionen in neue Projekte und Schiffe investiert. Die Frage nach dem Überleben sei derzeit jedoch ein Blick in die Kristallkugel. Momentan überlege man sich ernsthaft, das Angebot auszudünnen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. Juli 2020 06:48
aktualisiert: 11. Juli 2020 12:13