Rorschach-Goldach – FCSG

Vor Cup-Kracher: «Wir haben uns dieses Spiel verdient»

Christoph Thurnherr, 20. August 2022, 12:42 Uhr
Der FC Rorschach-Goldach spielt am Sonntag das zweite Mal innerhalb eines Jahres gegen einen Superligisten. Mit dem FC St.Gallen hat der Verein vom Bodensee das absolute Traumlos erwischt. Viel Glück, ohne Frage – aber bei weitem nicht nur.
Hat der FC Rorschach-Goldach am Sonntag Grund zum Jubeln? (Archiv)
© St.Galler Tagblatt/Michel Canonica

Am Sonntag St.Gallen, letztes Jahr Basel: Der FC Rorschach-Goldach wird immer mehr zur Hausnummer im Schweizer Cup. Das Duell mit Basel war bereits ein Fussballspiel wie es am Bodensee einmal pro Generation vorkommt – ein unvergleichbares Fussballfest für die Region.

Und nun heist der Cup-Gegner dieses Jahr einfach St.Gallen. Wohl die einzige Paarung, die das Traumlos von 2021 noch übertreffen kann. Die Wahrscheinlichkeitsrechner unter den Lesern dürfen sich gerne berufen fühlen, dieses wahnsinnige Losglück mathematisch aufzuschlüsseln.

Schon fast ausgeschieden

Glück ist für diesen doppelten Cup-Coup aber bei weitem nicht der einzige Faktor. Die talentierte Truppe des FC Rorschach-Goldach hat sich schliesslich zweimal die Chance erarbeitet, überhaupt auf die grossen Kaliber zu treffen. «Wir haben uns dieses Spiel auch verdient, wir sind die letzten Jahre wirklich besser geworden», sagt Mannschaftskapitän Patrice Baumann. Besser – und wohl auch reifer.

Die Mannschaft von Trainer Olaf Sager bewies im letzten Spiel der Cup-Qualifikationsrunde unglaublichen Charakter, war gegen Schaffhausen zur Halbzeit mit 0:3 hinten und gewann am Ende noch im Penaltyschiessen.

Patrice Baumann freut sich auf die Partie gegen St.Gallen. (Archiv)

© St.Galler Tagblatt/Res Lerch

Elf Freunde sollt ihr sein

Jetzt im Cup gegen den FC St.Gallen spielen zu dürfen, bedeutet für Baumann und seine Amateurkicker-Freunde den unübertefflichen Höhepunkt. «Besser wird es wohl nicht mehr. Ich spiele in dieser Mannschaft seit Jahren mit einigen meiner besten Freunde. Alle, die uns wichtig sind, werden dabei sein und uns anfeuern – und wir spielen gegen den Verein, von dem wir selbst schon unser Leben lang Fans sind.»

Emotional kann man die Cup-Partie gegen St.Gallen also kaum höher bewerten. Aus sportlicher Sicht gibt es allerdings gewisse Ungewissheiten, wie Baumann bestätigt. Es ist das erste Pflichtspiel für Rorschach-Goldach in dieser Saison, während St.Gallen schon mittendrin steckt.

Im Gegensatz zum Spiel gegen Basel, wo sich der Underdog stark präsentierte, könnte also der Rhythmus fehlen. Und da St.Gallen im Gegesatz zu Basel letztes Jahr keine Conference-Quali spielen muss, dürften die Espen in Vollbesetzung antreten.

«Bin gespannt auf die Zuschauer»

Die Umstände dieses Cup-Spiels sind speziell. Rorschach-Goldach muss im alten FCSG-Stadion Espenmoos antreten, da die Sportanlage Kellen besetzt ist. Baumann freut sich darauf, auch wenn er als Rorschacher am liebsten auf dem Pestalozzi gespielt hätte. Der alten Heimstätte des ehemaligen FC Rorschach – und damit sowas wie der kleine geistige Bruder des Espenmoos.

Die Austragung auf dem Pestalozzi stand im Vorfeld kurz zur Diskussion, wurde dann aber verworfen. «Ich bin auf die Zuschauer im Espenmoos gespannt. Die Fans des FCSG werden in der Überzahl sein, vielleicht wird es ja wie gegen Basel eine Choreo geben», sagt Baumann.

Die Fans des FC Basel zeigten letztes Jahr mit einem grossen Rorschach-Test-Banner Humor und gleichzeitig Respekt gegenüber dem kleinen Verein vom Bodensee. Dieses Mal werden die Anhänger des FC St.Gallen in der Überzahl sein. Und obwohl ihre Cup-Abenteuer häufiger werden, sind sich die Amateurkicker vierstellige Zuschauerzahlen nicht gewohnt.

Das kann ein Faktor sein. «So viele Fans auf der Gegenseite werden eine spezielle Erfahrung für uns», sagt Baumann.

Die Null halten

Im Fussball sind schon seltsamere Dinge passiert – doch die Chancen, St.Gallen zu schlagen, stehen für den Underdog natürlich schlecht, dessen ist sich auch der erfahrene Kapitän bewusst: «Man weiss ja nie. Vielleicht können wir ein Tor schiessen und uns durchzittern. Aber vor allem wollen wir für alle, die zusehen eine tolle Leistung zeigen.»

Viele würden argumentieren, es sei bereits eine tolle Leistung, gegen den Lieblings-Superligisten im Cup zu spielen. Für Baumann und seine Freunde sind es 90 Minuten, die sie niemals vergessen werden. Doch auch der Abpfiff habe seinen Reiz, sagt Kapitän Baumann: «Ich freue mich auf das Bier, wenn die Anspannung und der Druck der letzten Wochen abfällt.» Kann man gut nachfühlen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 20. August 2022 12:42
aktualisiert: 20. August 2022 12:42
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