FCZ – FCSG

Zeidler über Corona-Zwangspause: «Habe sowas noch nie erlebt»

Sandro Zulian, 9. Dezember 2020, 08:36 Uhr
Ein verschmitzter Peter Zeidler an der Medienkonferenz zum Spiel gegen den FC Zürich.
© FM1Today
Nach fast zwei Wochen ohne Ernstkampf oder Training ist der FC St.Gallen zurück im Fussballzirkus. Am Mittwoch tritt er auswärts gegen den FC Zürich an. Die aktuelle Situation ist auch für Cheftrainer Peter Zeidler keine einfache – er nimmt sie allerdings gelassen.

«Nur im Parlament gilt die Maskenpflicht nicht – hier schon», witzelt Peter Zeidler schon vor der Medienkonferenz zum Spiel vom Mittwoch gegen den FC Zürich. An diesem grauen und tristen Dienstag und nach überstandener Quarantäne ist Peter Zeidler zum Lachen zumute.

Warum die aktuelle Lage sich für den FC St.Gallen als Trumpf erweisen könnte, hat zwei Gründe. Aber später mehr dazu.

Der Gegner

Peter Zeidler spricht nicht gerne über die Gegner seiner «Jungs». Eher widerwillig lässt er ein paar Worte zu den doch sehr starken Zürchern fallen. Was ihm denn am Gegner am meisten auffalle, so eine Frage eines Journalisten im Plenum. Die Antwort: «Dass sie halt mehr Punkte haben.»

Fakt ist, unter dem alten Trainer Ludovic Magnin besudelten sich die Stadtzürcher in letzter Zeit nicht mit Ruhm. In elf Meisterschaftsspielen gelangen dem FCZ drei Unentschieden – acht Mal gingen die Blau-Weissen als Verlierer vom Platz.

Seit Magnin den Club anfangs Oktober verliess und der Interimstrainer Massimo Rizzi das Ruder übernahm, ging es auf einmal bergauf. Vier Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage. Erst am Sonntag zerlegten die Zürcher den FC Lausanne-Sport mit 4:0.

Das wirkt sich auch auf die Tabelle aus. Der FCZ grüsst aktuell von Rang drei, St.Gallen liegt mit zwei Zählern weniger auf Platz fünf.

«Der FC St.Gallen kann da mithalten, das muss man doch nicht noch extra betonen», sagt Zeidler unwirsch. Auch unter den speziellen Umständen, mit denen sich die Espen aktuell konfrontiert sehen.

Und hiermit wären wir bei den eingangs betonten zwei Punkten für Zeidlers gute Laune und für einen entfesselten FC St.Gallen.

Die absurde Situation

«Keine Ahnung», antwortet Peter Zeidler an dieser Medienkonferenz auf auffällig viele Fragen der anwesenden Journalisten. Zum Beispiel auf jene nach dem vorgesehenen Kader, welches man nach Zürich mitnehmen will. Erst seit Sonntag kann die erste Mannschaft wieder miteinander trainieren, einzelne Spieler konnte Zeidler darüber hinaus erst am Dienstag wieder sehen. «Ich hab so etwas in meinem Trainerleben auch noch nie erlebt. Dass man mal zehn Tage lang nicht miteinander trainiert, mitten während der Saison, das gibt's ja nicht.»

Auch er war in Quarantäne: FCSG-Trainer Peter Zeidler.

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Er könne nicht sagen, ob es wieder so sein werde wie vor der Quarantäne. «Wir werden nachher analysieren müssen, ob uns das beflügelt, oder ob es uns einen kleinen Knacks gegeben hat.»

Per Zufall sei er vor der Medienkonferenz an Stammspieler Miro Muheim auf der Massagebank vorbeigelaufen, sagt Zeidler als Beispiel für die irreal wirkende Situation: «Den Jungen hab ich jetzt zwei Wochen lang nicht gesehen.» Lachend fügt er an: «Und Fazliji war auch noch zehn Tage weg und begrüsst mich heute plötzlich mit einem grossen Lachen wieder.»

Das ganze Drumherum entspreche einfach nicht der normalen Vorstellung eines Hochleistungssportlers und wie er sich auf ein Spiel vorbereitet. Es sei nun halt alles ein bisschen anders als sonst, aber: «Wir nehmen das an und freuen uns sehr, im Letzigrund spielen zu dürfen.»

Die hochmotivierten Spieler

«Wir werden eine Mannschaft stellen, die für den FC St.Gallen alles geben wird», sagt Zeidler darum auch schon eingangs der Medienkonferenz mit Bestimmtheit.

Manche dieser Spieler mussten nun bis zu fast zwei Wochen ohne Fussball auskommen. Das hinterlässt Spuren – und zwar keine schlechten. Die Atmosphäre in den letzten Trainings sei «positiv, wenn nicht sogar freudig» gewesen. Das habe ihn am allermeisten beeindruckt, sagt Zeidler.

Woher die grosse Freude seiner Spieler kommt, kann auch er sich nicht erklären. «Vielleicht wird ihnen aufs Neue klar, wie schön es ist, Fussball zu spielen. Ich habe sie vermisst in diesen Tagen. Das ist jetzt nicht ironisch gemeint», sagt Zeidler und lacht abermals.

Und was hat eigentlich Zeidler selber in der Quarantäne getrieben? «Ich habe mehr denn je Fussball geschaut. Sodass man abends richtig platt ist.» Natürlich nicht als seichte Unterhaltung, sondern im Sinne seines Berufes. Doch: «In der zweiten Halbzeit GC gegen Neuchâtel ist man dann schon müde.» Wieder lacht der Cheftrainer.

Wenn das keine guten Vorzeichen sind.

Das Spiel kannst du heute ab 18.15 Uhr live auf FM1Today verfolgen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. Dezember 2020 06:50
aktualisiert: 9. Dezember 2020 08:36