Thurgau

Nach Tigerattacke: Waffeneinsatz hätte keinen Sinn ergeben

8. Juli 2020, 09:39 Uhr
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Quelle: tvo

Der Schock war gross, als letzten Samstag ein Tiger eine Tierpflegerin tödlich verletzte. Bei so einem Angriff kann es sein, dass ein Zoo eine Waffe gegen seine eigenen Tiere einsetzen muss. Was die Schwierigkeiten sind, zeigt der Plättli Zoo Frauenfeld.

Narkosepistole, Pfeile und Narkosegewehr: Bis so ein Gewehr nur schon geladen ist, vergeht eine Viertelstunde, sagt der Leiter des Plättli Zoos gegenüber Tele Züri. Er erklärt, weshalb sich das Narkosegewehr für so einen Vorfall, wie der vom vergangenen Samstag im Zoo Zürich, nicht eignet.

«Narkose wirkt erst nach zehn bis 15 Minuten»

«Es geht nicht lange, bis so ein Tier zubeisst, das geht blitzartig», so Walter Mauerhofer, Leiter im Plättli Zoo. «Die Narkose wirkt erst nach 10 bis 15 Minuten – wenn sie denn überhaupt wirkt.» Denn wenn das Tier einen Adrenalinschub habe, nützt auch die Narkose nichts.

Am Samstag, als die Amurtigerin Irina eine Pflegerin tödlich verletzte, kommt keine Notfallwaffe zum Einsatz. Anders war das vor einem halben Jahr, als im Zoo Zürich ein Krokodil einer Pflegerin in die Hand biss. Damals hiess es: «Weil eine Narkose kaum schnell gewirkt hätte, hat sich der Zoo entschieden, das Krokodil mit der Pistole zu erschiessen.»

«Warum der Tiger nicht getötet wurde, ist etwas, das wir gerade aufarbeiten. Damals beim Krokodil passierte das im Verlauf des Ereignisses», so Sven Dressen, Direktor im Zoo Zürich. Warum bei der Tigerattacke vom letzten Samstag keine Pistole zum Einsatz kam, ist Teil der Untersuchungen.

Einsatz einer Waffe wäre heikel gewesen

Beim Plättli Zoo steht für Notfälle – wie ein Angriff von einem Raubtier auf einen Tierpfleger – ein Jagdgewehr und eine Pistole im Tresor bereit. Diese dürfen nur der Zooleiter und sein Stellvertreter brauchen. So eine Notfallwaffe hat es auch im Zoo Zürich. Der Einsatz dieser Waffe am letzten Samstag wäre jedoch heikel gewesen: «In dem Moment, wo du schiesst, kann es sein, dass sich der Tiger umdreht und dann triffst du vielleicht den Tierpfleger», so Mauerhofer. «Das ist nicht so einfach mit dem Schiessen.» Für den Plättli-Zoo-Leiter ist klar, ein Waffeneinsatz hätte keinen Sinn ergeben.

(red.)

Quelle: TeleZüri
veröffentlicht: 8. Juli 2020 09:40
aktualisiert: 8. Juli 2020 09:39