«Reden macht den Schmerz nur grösser»

Laurien Gschwend, 26. September 2018, 07:46 Uhr
Cedric Ittens Schicksal beschäftigt die ganze Mannschaft des FC St.Gallen. Ausgerechnet nach dem Ausfall des torgefährlichsten St.Galler Stürmers steht eine Auswärtspartie gegen den starken Leader YB an.

Ernüchternde Bilanz nach dem Heimspiel vom vergangenen Sonntag gegen den FC Lugano: St.Gallen verlor nicht nur zwei Punkte, sondern auch zwei Schlüsselspieler. Nicolas Lüchinger erlitt einen Schlüsselbeinbruch und wurde bereits am Montag in der Berit-Klinik im Speicher operiert – der Rheintaler Verteidiger (23) dürfte in einigen Wochen wieder einsatzbereit sein. Anders sieht es bei Cedric Itten (21) aus. Der gebürtige Basler wurde so brutal von Luganos Fabio Daprelà (27) gefoult, dass er das vordere Kreuzband und das Innenband im rechten Knie riss. «Er kommt diese Woche ebenfalls unters Messer», kündigt Cheftrainer Peter Zeidler an. Nach der «brutalen Attacke» wird es Monate dauern, bis er wieder auf den Stürmer zählen kann.

«Wollen im Moment leben»

Die Stimmung in der Mannschaft ist gedrückt – dies fiel Zeidler direkt nach dem Spiel und beim gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen auf. «Dass Cedric ausfällt, tut uns, der Mannschaft, und dem ganzen Verein sehr weh.» Über das Foulspiel zu sprechen, bringe aber nicht viel, findet der Trainer. «Das macht den Schmerz nur noch grösser. Wir wollen im Moment leben, denn wir können nichts ändern.» So schwer die Situation auch ist, der 56-jährige Deutsche hofft, dass die Mannschaft dadurch näher zusammenrückt.

Präsident Matthias Hüppi sagt bei der Medienkonferenz vor dem Spiel gegen YB, er wolle die persönliche Meinung Ittens abwarten, bevor er mögliche juristische Schritte einleitet. «Er soll sich zuerst vom Schock erholen.» Die Liga verkündete am Montag, dass sie ein Verfahren wegen Daprelàs Foulspiel, das nicht geahndet wurde, eröffnet habe. Dem Tessiner Verteidiger drohen eine Spielsperre und möglicherweise eine Busse.

«Forderungen sind nicht meine Aufgabe»

Coach Zeidler will sich nicht aufs «juristische Terrain» begeben, wie er im Interview mit FM1Today sagt. «Jeder soll sich sein eigenes Bild machen. Forderungen zu stellen und kluge Ratschläge zu geben, ist nicht so mein Ding und auch nicht meine Aufgabe.» Deshalb habe er auch keinen Wunsch, was die Entscheidung der Swiss Football League angeht. Von Bedeutung sei etwas anderes: Zusammenhalten und sich auf das nächste Spiel vorbereiten.

Wie Peter Zeidler sich in St.Gallen eingelebt hat – und was er von den HSG-Studenten hält – erfährst du im Video: 

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Nicht nur defensiv sein

Das nächste Spiel steht bereits am Mittwoch an. Die St.Galler reisen zum souveränen Leader der Super League. Die Young Boys haben laut Zeidler alles, was eine gute Fussballmannschaft braucht: «Taktik, Automatismen und eine tolle Mentalität.» Trotzdem werde der FC St.Gallen nicht «wie ein Bus vors eigene Tor stehen». Die Gegner vom eigenen Goal abzuhalten, sei ebenso wichtig, wie selber Chancen zu kreieren.

Seit das Berner Stade de Suisse vor über 13 Jahren eröffnet wurde, konnten die Espen noch nie auswärts gegen die Berner gewinnen. «Mit jedem Spiel steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese Serie endet», sagt Zeidler dazu. Gleichzeitig will er keine drei Punkte versprechen. «Wir haben vor dem Gegner grössten Respekt.» YB siegte bei sämtlichen sieben Partien der aktuellen Super-League-Saison. Vize-Meister Basel bodigte der Meister am Sonntag gar mit 7:1.

Wie das Auswärtsspiel YB gegen St.Gallen ausgeht, erfährst du am Mittwoch ab 20 Uhr im Liveticker auf FM1Today sowie in den Liveschaltungen bei Radio FM1.
Laurien Gschwend
veröffentlicht: 25. September 2018 16:47
aktualisiert: 26. September 2018 07:46