Mehr Respekt nach dem Schlusspfiff

Lara Abderhalden, 9. Juli 2019, 14:48 Uhr
Gewalt bei Juniorenspielen sind keine Seltenheit (Symbolbild).
Gewalt bei Juniorenspielen sind keine Seltenheit (Symbolbild).
© iStock
Fussball ist ein emotionaler Sport. Deshalb kann sich die Stimmung bei einem Spiel ganz schön aufheizen, nicht selten endet dies in Provokationen oder vereinzelt auch in Schlägereien. Mehrere Fälle aus dem Amateurfussball zeigen diese Gewaltbereitschaft unter Spielern oder teilweise auch von Eltern. In der Ostschweiz möchte der Fussballverband solche Vorfälle proaktiv verhindern.

Bei einem Grümpelturnier in Konstanz kam es vergangenen Samstag gleich zu mehreren Schlägereien. Ein 59-jähriger Mann gab einem 24-Jährigen auf dem Spielfeld eine Ohrfeige, später eskalierte ein Streit zwischen zwei Mannschaften, die Polizei musste einschreiten. Auf dem Grümpeli-Parkplatz gingen Betrunkene aufeinander los und an der anschliessenden Party wurden erneut Fäuste ausgeteilt. Eine Person musste nach den Ereignissen ins Spital.

Ebenfalls am Samstag schlug ein Vater einem anderen Vater der gegnerischen Mannschaft bei einem Grümpelturnier in Freienbach im Kanton Schwyz ins Gesicht. Dies während die Kinder der beiden Männer mit auf dem Feld standen.

Eltern ist ein Spiel wichtiger als Kindern

Dass Eltern manchmal schlimmer reagieren als Kinder oder Spieler selbst, zeigt auch dieses Beispiel aus dem Juniorenfussball von vergangenem Oktober: Damals kam es bei einem Spiel der B-Junioren zwischen dem FC Vaduz und dem FC St.Otmar zu einer Massenschlägerei, die sich sowohl Spieler als auch Zuschauer lieferten. Die Eltern stürmten gemäss Zeugenaussagen auf das Spielfeld und schlugen auf Spieler und Trainer ein. Beiden Mannschaften wurde der Aufstieg verwehrt und Punkte abgezogen.

«Solche Vorfälle sind in der Ostschweiz selten», sagt Stephan Häuselmann, Präsident des Ostschweizer Fussballverbands. In der Ostschweiz gäbe es kaum Gewalt rund um Fussballspiele. Am ehesten seien es jedoch Spiele der D-, E- oder F-Junioren, bei denen die Eltern besonders emotional werden können: «Den Eltern ist ein Spiel oft wichtiger als den Kindern. Über das Verhalten der Eltern sind wir deshalb nicht immer glücklich», sagt Häuselmann. Vor eineinhalb Jahren wurden in diesen Kategorien deshalb Mini-Schiedsrichter eingeführt, von denen es mittlerweile 400 gebe. Diese seien speziell für Spiele der Jüngsten ausgebildet.

Captain begleitet Schiedsrichter zur Kabine

«Wir versuchen proaktiv zu sein», erklärt der Verbandspräsident. «Wir wollen handeln, bevor etwas passiert.» Deshalb werde im Herbst ein Projekt lanciert, bei dem es um mehr Respekt nach Spielschluss geht. «Möglich ist beispielsweise, dass der Schiedsrichter von den beiden Captains zur Kabine begleitet wird. So haben die drei die Möglichkeit, sich über das Spiel auszutauschen und mögliche Diskussionspunkte zu klären», sagt Stephan Häuselmann.

Dass der Ostschweizer Fussballverband den Respekt auf dem Fussballplatz fördern will, findet der Ostschweizer Schiedsrichterverband gut. Er betont in einer schriftlichen Stellungnahme, dass er jede Form von Gewalt verurteilt: «Sei dies auf oder neben dem Fussballplatz, ob ausgehend von Spielern oder von Zuschauern oder Eltern unabhängig davon, ob gegenüber Schiedsrichtern, anderen Spielern oder Zuschauern», schreibt Veli Atsiz, Präsident des Verbands.

Trainer werden auf Eltern vorbereitet

Auch Trainer werden übrigens auf Vorfälle mit Eltern immer besser geschult. Felix Mätzler, D-Juniorentrainer und Medienverantwortlicher des SC Brühl, sagte in einem Interview im Oktober letzten Jahres, dass Trainern in der Ausbildung bereits beigebracht werde, dass die Eltern das sind, was bei den Profis die Medien sind. «Sie wollen dich schwächen, abschiessen und sagen, dass du nicht mehr an die Seitenlinie gehörst. Sie wollen dem Trainer diktieren, wer spielen und wer besser auf der Ersatzbank bleiben soll», sagt Felix Mätzler. Es seien häufig Eltern, meist Väter, die meinen, sie können entscheiden, wo ihr Sohn zu spielen hat. Wichtig als Trainer sei es, sich nicht auf die Eltern einzulassen: «Wir entscheiden, wie wir spielen. Wenn das jemandem nicht passt, kann er den Verein wechseln.»


Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 9. Juli 2019 14:48
aktualisiert: 9. Juli 2019 14:48