Kanterniederlage: YB führt St.Gallen vor

Stephanie Martina, 1. Oktober 2017, 20:37 Uhr
Im Spitzenspiel ist der FC St.Gallen gegen Leader YB chancenlos. Die St.Galler werden von den Bernern regelrecht vorgeführt und kassieren in der zweiten Halbzeit ein Tor nach dem anderen – beim erlösenden Schlusspfiff steht es 6:1 für die Berner.

Die Young Boys bleiben in der Super League das aktuelle Mass der Dinge. Im Spitzenspiel fertigte der Leader den bislang ersten Verfolger St.Gallen gleich mit 6:1 ab.

St.Gallen ohne Gegenwehr

Mit dem höchsten Erfolg seit einem 7:2 gegen Lausanne im August 2016 bauten die Young Boys ihren Vorsprung auf sechs und mehr Punkte aus. Die Berner profitierten davon, dass der Gegner nach dem dritten Gegentor in seine Einzelteile zerfiel. St.Gallen leistete im Sprachsinn keine Gegenwehr mehr, die Tore vom 4:1 zum 6:1 in der 76. Minute schoss YB innert einer Viertelstunde.

Der St.Galler Matchplan geriet bereits nach 158 Sekunden völlig durcheinander. Erstmals in die Defensive gedrängt und mit dem ersten Torschuss geriet der Herausforderer der Young Boys bereits in Rückstand. Zwei Akteure boten Roger Assalé Begleitschutz, der Ivorer dribbelte, legte sich den Ball zurecht und zirkelte ihn ins Tor. Für den Ivorer, zu Saisonbeginn als «Chancentod» verschrien, war es der vierte Meisterschaftstreffer in Serie.

Continis Plan ging nicht auf

Auch die Vorgabe von Trainer Giorgio Contini, die Young Boys wie beim 2:2 im Hinspiel zu langen Bällen zu zwingen, ging nie auf. Die Pace gab trotz anfänglich mehr Ballbesitz des FCSG das Heimteam vor. YB erspielte sich in regelmässigen Abständen Torchancen, vergab diese aber vor der Pause, wie im Fall von Christian Fassnacht, teils grobfahrlässig. Das rächte sich aber darum nicht, weil YB nach 66 Sekunden der zweiten Halbzeit das längst fällige 2:0 erzielte.

Contini ereiferte sich furchtbar, weil Assalé der Ball nach einem Corner an die Hand gesprungen sein soll und Kevin Mbabu die Berner Führung ausbaute. Es war nicht die erste Szene mit Beteiligung des zweifachen Torschützen, die für Diskussionen sorgte. Kurz vor der Pause hatte Assalé, der kurz nach dem St.Galler Anschlusstreffer wiederum ohne Gegenwehr das 3:1 erzielte (55.), in Erwartung eines Einwurfs Alain Wiss mit dem Handrücken im Gesicht getroffen. Die Meinungen, ob es eine Tätlichkeit war oder nicht, gingen auseinander.

Berner demonstrieren ihre Stärke

Spätestens das fünfte Saisontor des Stürmers entschied den Spitzenkampf, der aufgrund des ziemlich einseitigen Spielverlaufs eigentlich ohnehin keiner war. YB hätte das Kräftemessen zwischen dem Leader und dem vor der 10. Runde zweitklassierten Team noch wesentlich deutlicher für sich entscheiden können. Das war für das davor vier Spiele ungeschlagene St.Gallen, das die höchste Niederlage seit dem denkwürdigen 0:7 gegen Basel im April 2016 unter Joe Zinnbauer kassierte, die bitterste Erkenntnis des Nachmittags.

«Wir haben unseren Job nicht gemacht»

«Bis zur 50. Minute waren wir im Spiel, doch nach dem 2:1 für YB waren wir bei den Zweikämpfen immer einen Schritt zu spät. Deshalb sind wir unter die Räder gekommen», sagt Torhüter Daniel Lopar kurz nach dem Spiel.

Für Trainer Giorgio Contini gab es mehrere Schlüsselmomente, die für den Verlauf des Spiels entscheidend waren: «Das irreguläre 2:0 für YB und die vermeintliche rote Karte gegen Assalé - wenn der Schiedsrichter hier anders entschieden hätte, wäre das Spiel auch anders verlaufen.» Contini betont jedoch, dass man nicht vergessen dürfte, dass St.Gallen gegen den Tabellenführer gespielt habe. «Wenn man YB in seiner jetzigen Form schlagen will, muss alles passen - das tat es heute nicht. Wir haben zu wenig diszipliniert verteidigt und in der zweiten Halbzeit unseren Job nicht gemacht.»

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Stephanie Martina
Quelle: red/SDA
veröffentlicht: 1. Oktober 2017 15:43
aktualisiert: 1. Oktober 2017 20:37